WOM-Entwicklung von Social Communities: Netzeffekte und kritische Masse
Aufbauend auf dem Social Media Marketing Beitrag aus der letzten Woche, hier ein etwas kürzeres Unterkapitel aus meiner Diplomarbeit zum Thema Entwicklung und Wachstum von Social Communities.
Der Begriff „Netzeffekt“ lässt sich am Besten am Beispiel der Musik Tauschbörse Napster verdeutlichen. Der offensichtliche „originäre“ Nutzen für den User, dem Peer to Peer -Netzwerk beizutreten, ist das Downloaden von Musik. Dieser orginäre Nutzen ist nur durch das rein physische Beitreten zu der Tauschbörse recht gering. Erst durch die steigende Gesamtuserzahl entsteht ein steigender direkter derivativer (abgeleiteter) Nutzen in Form von größerem Angebot, der für die Attraktivität des Netzwerks entscheidend ist. Ein typisches Beispiel für den steigenden direkten derivativen Nutzen mit der Anzahl der User sind auch die Instant-Messenger ICQ, Skype oder MSN. Benutzt keine andere Person einen Messenger sind sie nutzlos. Mit der Zahl der User des jeweiligen Messengers steigt die Attraktivität.
Die Anzahl von Mitgliedern, die notwendig ist, um ein Netzwerk für potenzielle User attraktiv werden zu lassen, bezeichnet man als „kritische Masse“. Nach Michel Clement ist die kritische Masse bei 10% der potenziellen User definiert , was aber auch stark von den „Konkurrenz-Netzwerken“ und deren Größe abhängt. Für neue einzigartige Netzwerke mag diese Definition zutreffen. Aber ist ein anderes Netzwerk so stark verbreitet und bindet einen Großteil der potenziellen User an sich, werden diese 10% nicht die kritische Masse sein.
Da Menschen meistens das Risiko scheuen, neues Terrain zu begehen, warten sie darauf, dass ein anderer den ersten Schritt macht, um dann nachzuziehen. Deshalb kommt es in dieser Phase oft zu einer Situation des gegenseitigen Beobachtens. In der Literatur wird dieser Effekt als „Penguin-Effekt“ bezeichnet.
Ist die kritische Masse erreicht kommt, es in der Regel zu überproportional steigenden Beitritten zu dem Netzwerk, die den derivativen Nutzen weiter steigen lässt. Dadurch wird ein sich selbst tragender Penetrationsprozess in Gang gesetzt, den man auch als „Bandwaggon-Effekt“ bezeichnet. Dieser Effekt kann in anderen Gruppierungen zu massiven Abwanderungen führen und dort den derivativen Nutzen kollabieren lassen. Dies wird in der Literatur als Stranding-Effekt beschrieben.
Die beschriebenen Stadien und Vorgänge bei der Entstehung von Netzwerken gelten auch bei der Einführung von Innovationen. Wird eine Innovation nicht von der kritischen Masse gekauft, wird sie sich am Markt nicht durchsetzen können.
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Wer hier bloggt?
Olaf Kopp ist Geschäftsführer der Aufgesang Inbound Online Marketing Agentur , Gründer von SEM Deutschland und Online Marketing Berater aus Hannover. Er schreibt rund um die Themen Online Marketing, Usability und Web Analytics. Seine Passion liegt insbesondere im Bereich Suchmaschinenmarketing (SEM) bzw. Google AdWords und SEO.
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